Vorrunden-Aus abgewendet: DHB-Team gewinnt den Krimi in Herning

  20.01.2026    Leistungssport
Die deutsche Nationalmannschaft hat bei der Handball-EM das drohende Vorrunden-Aus abgewendet und sich das Ticket für die Hauptrunde gesichert. Durch das verdiente 34:32 (17:15) gegen Spanien bleibt auch das Halbfinale in Sichtweite.

Mit dem großen Ziel Halbfinale war die deutsche Nationalmannschaft zur Handball-EM gereist. Statt Medaillenhoffnung ging am Montagabend in Herning aber die Angst um: Der DHB-Auswahl drohte elf Monate vor der Heim-WM, bei der es eigentlich ganz hoch hinausgehen soll, das Vorrundenaus. Die unerwartete 27:30-Pleite gegen die Serben am Samstagabend hatte alles verändert.

Für die Partie mit den ungeschlagenen Spaniern vor 9526 Zuschauern in Herning nahm Bundestrainer Alfred Gislason erstmals gleich zwei Wechsel an seinem Spieltagsaufgebot vor: Der zuvor angeschlagene Nils Lichtlein feierte seine EM-Premiere, zudem kam dessen Vereinskollege Matthes Langhoff von den Füchsen Berlin zu seinem zweiten Einsatz - gegen Serbien hatte ihn Rune Dahmke (THW Kiel) verdrängt. Neben Dahmke war diesmal auch Franz Semper (SC DHfK Leipzig) zum Zuschauen verdammt.

Brisante Rollenfrage: "Ich kann Juris Wut verstehen"

Nach seiner öffentlichen und deutlichen Kritik am Bundestrainer begann in Herning Juri Knorr auf der Mitte, wie im ersten Spiel gegen Österreich durften auch Linksaußen Lukas Mertens und Keeper Andreas Wolff starten. Gute Entscheidungen vom Bundestrainer, wie sich schon früh im Spiel herausstellen sollte.

In der Abwehr und vor allem im Angriff trat die DHB-Auswahl deutlich konzentrierter als zuletzt auf. Auch die Körpersprache stimmte vom Anpfiff weg. In der fünften Minute sorgte Knorr mit etwas Glück für die erste deutsche Führung (3:2). Zunächst leistete sich Deutschland auch kaum Fehlwürfe und technische Fehler, mit denen sich der Europameister von 2016 zum Turnierstart das Leben selbst schwer gemacht hatte.

Wolff ist schnell in den spanischen Köpfen

Diesmal funktionierte sogar das Spiel über die Außen, so schenkte Mertens dicht hintereinander seinem Magdeburger Vereinskollegen Sergey Hernandez zwei Tore ein (6:4, 9.). Auf der Gegenseite wanderte Wolff allmählich in die Köpfe der Spanier, der Kieler nahm den Iberern nach einer Viertelstunde zwei freie Würfe von außen und zwei Konter weg.

Deutschlands EM-Vorrunde

 Deutschland 30:27

 

 Österreich

 Serbien 30:27

 

 Deutschland

 Deutschland 34:32  Spanien

 

Im Angriff sprangen zwei U-21-Weltmeister von 2023 in Diensten der TSV Hannover-Burgdorf in die Bresche: Kreisläufer Justus Fischer, für Kapitän Johannes Golla gekommen, war gleich ein Faktor in Abwehr und Angriff - und sorgte mit einem Doppelschlag für die erste spanische Auszeit (12:9, 20.).

Noch heißer lief indes Olympia-Held Renars Uscins, der Hernandez die Schlagwürfe nur so um die Ohren feuerte und alle seine fünf Würfe im Tor unterbrachte (16:12, 27.). Eine kurze deutsche Schwächephase aber bestraften die Spanier eiskalt und waren beim 15:16 wieder dran. Am Ende nahm die DHB-Auswahl zumindest eine Zwei-Tore-Führung mit in die Kabine (17:15).

Späth bringt auch Emotionen rein

Nach dem Seitenwechsel blieb es das erwartet enge Spiel, Deutschland legte zunächst vor, die Spanier aber fanden ihre Antworten - auch über den jungen Überflieger Marcos Fis (19:17, 34.). Weil allerdings in der Folge SCM-Schlussmann Hernandez kaum eine Hand an einen Ball bekam, brachte Spaniens Nationaltrainer Jordi Ribera mit Ignacio Biosca dessen Vertreter - und der nahm Rechtsaußen Zerbe direkt einen freien Wurf weg.

Auf der Gegenseite aber wagte auch Gislason den Wechsel von Wolff auf David Späth, der sofort einen völlig freien Fis-Versuch entschärfte und auch die nötigen Emotionen ins Spiel brachte. Der schon im Vorfeld vermutete Krimi bahnte sich an, stets mit leichten Vorteilen fürs DHB-Team (23:20, 42.).

Die Schlussviertelstunde allerdings brach mit zu leichten spanischen Toren an, beim 24:25 durch Ex-Stuttgarter Daniel Fernandez war der Anschluss wiederhergestellt. An diesem Abend aber war Deutschland zu abgezockt, zu entschlossen. Der freche Kempa von Mertens auf Uscins zum 29:26 riss das Publikum aus den Sitzen (51.).

In den letzten Minuten verloren die Spanier dann endgültig den Kopf und warfen zu viele Bälle weg. Der deutsche Vorsprung wuchs allmählich. Am Ende stand ein verdienter 34:32-Erfolg für die DHB-Auswahl. Damit vermied die deutsche Mannschaft das historische Vorrunden-Aus, das die schlechteste EM-Platzierung der Geschichte (zuvor Platz 10 in 2010) bedeutet hätte. In der Hauptrunde warten nun allerdings weitere Hochkaräter: Titelverteidiger Frankreich, Top-Favorit Dänemark, Norwegen und wohl "Angstgegner" Portugal.

Deutschland - Spanien 34:32 (17:15)

Deutschland: Wolff (6 Paraden), Späth (3 Paraden); Uscins 8, Köster 6, Knorr 5, Fischer 5, Mertens 4, Zerbe 3/1, Golla 2, Häseler 1, Grgic, Langhoff, Kiesler, Kohlbacher, Lichtlein, Schluroff

Spanien: Hernandez (4 Paraden, davon 1 Siebenmeter), Biosca (3 Paraden); Gurri 7, Tarrafeta 4, Fis 4, Gomez 4/4, Fernandez 3, Daniel Dujshebaev 3, Odriozola 2, Serdio 2, Serradilla 1, Casado 1, Alex Dujshebaev 1, Garciandia, Barrufet, Rodriguez

Schiedsrichter: Amar und Dino Konjicanin (Bosnien-Herzegowina)
Strafminuten: 6 - 6
Zuschauer: 9526 (Herning)

Quelle: handball-world.de
Foto: kolektiff images