Regionalliga-Bericht Männer: Heiningen marschiert weiter, Meißenheim gewinnt Duell der Aufsteiger
TV 1893 Neuhausen/E. vs. SKV Unterensingen 23:25 (12:12)
Es kam einem fast ein bisschen vor wie ein Klassentreffen, was sich vor der Partie zwischen Neuhausen und Unterensingen abspielte. Unglaubliche viele Verbindungen und alte Bekanntschaften bestehen zwischen den Spielern (und Trainern) der beiden Teams, so dass jede Menge Gesprächsmaterial bestand und sich freundschaftlich ausgetauscht wurde. Mit Anpfiff war von dieser Freundschaft aber nichts mehr zu spüren und das Derby wurde hart und emotional geführt.
Zunächst mit leichten Vorteilen auf der Gästeseite, nach Julian Hofers Tor zum 6:10 betrug der Vorsprung für den SKV in der 20. Spielminute erstmals vier Tore. Dann begann die große Zeit des früheren Untererensinger Torhüters Marc Vogel im Neuhäuser Kasten. Er parierte gleich mehrere freie Einwurfgelegenheiten und ließ bis zur Pausensirene nur noch zwei weitere SKV-Tore durch einen Strafwurf von Mike Pracht und einen zweiten Hofer-Treffer zu. Auf der anderen Seite führte der starke Manuel Bauer sein Team heran, und Sekunden vor der Halbzeitsirene verwandelte Felix Stahl einen Siebenmeter zum 12:12-Ausgleich.
Nach dem Seitenwechsel brachte Spitzmaus-Kapitän Pracht mit seinem zweiten Strafwurf seine Farben nochmals in Führung, dann setzte Marc Vogel seine Performance aus dem ersten Durchgang fort, setzte sich immer mehr in den Köpfen der Unterensinger Schützen fest. So konnten die Gastgeber mehrfach mit einem Tor in Führung gehen, aber mehr gelang ihnen nicht. Sie leisteten sich einige Fehlwürfe und technische Fehler, das übrige erledigte die bärenstarke Unterensinger Defensive. Die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit blieb so mit jeweils fünf Toren beider Teams extrem torarm, es war ein richtiger Abnutzungskampf.
Beim Stand von 20:20 folgten dann die entscheidenden Aktionen: Die Gäste gewannen durch zwei Treffer von Luis Sommer eine Unterzahlsituation mit 0:2 und gaben diesen Vorsprung bis zum Ende nicht mehr her. Somit entführt der SKV beide Punkte aus der Hofbühlhalle und feiert den ersten Auswärtssieg der Saison.
TVS Baden-Baden vs. HSG Willstätt-Hanauerland 30:32 (18:13)
Ein verrückter Derbyabend in Sandweier endet mit einem Auswärtssieg für die HSG Willstätt-Hanauerland! Nach einem zwischenzeitlichen Fünf-Tore-Rückstand zeigte die HSG vor allem nach der Pause eine beeindruckende Reaktion und belohnte sich für eine starke zweite Halbzeit.
Dabei begann der Abend mit einer gehörigen Portion Aufregung. Kurz vor dem geplanten Anpfiff ertönte in der proppenvollen Rheintalhalle der Feueralarm. Die Halle musste komplett evakuiert werden. Schnell stellte sich heraus, dass es sich um einen Fehlalarm handelte. Da der Alarm allerdings nur durch die Feuerwehr abgeschaltet werden konnte, rückte diese gleich mit fünf Fahrzeugen an. Erst nachdem Entwarnung gegeben wurde, konnten Spieler und Zuschauer zurück in die Halle. Der Anpfiff verzögerte sich dadurch bis 21:15 Uhr.
Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase schlichen sich ein paar Fehler ins 7:6-Spiel der Gäste, Baden-Baden nutzte diese konsequent aus und ging schließlich mit einer 18:13-Führung in die Halbzeitpause.
Nach dem Seitenwechsel stand die HSG deutlich stabiler, spielte konzentrierter und machte wesentlich weniger Fehler. Schritt für Schritt wurde der Rückstand abgetragen. Großen Anteil daran hatte auch Lennart Cotic. In den entscheidenden Momenten übernahm er immer wieder Verantwortung und erzielte insgesamt zwölf Treffer. Besonders beeindruckend: Sieben Siebenmeter – sieben Treffer.
HSG-Trainer Ole Andersen zeigte sich nach dem Schlusspfiff vor allem mit der Reaktion seiner Mannschaft zufrieden: „Wir haben über weite Strecken ein hervorragendes Spiel gezeigt. In der zweiten Halbzeit haben wir kaum Fehler gemacht.“
Für den TVS bedeutet dies die erste Saisonniederlage und Rang drei, während Willstätt auf Platz zehn klettert.
HC Neuenbürg 2000 vs. TSV Weinsberg 34:34 (14:15)
Eine wahnsinnig spannende Partie erlebten die Zuschauer in der Stadthalle Neuenbürg. Dabei starteten die Hausherren wie die Feuerwehr und gingen nach rund sieben Minuten durch einen Treffer von Felix Rothardt mit 6:2 in Führung. Doch Weinsberg kämpfte sich langsam in die Partie und konnte diese mit einem 0:6-Lauf von 11:7 auf 11:13 drehen. Bis zur Pause konnte sich weiter kein Team absetzen, so dass man beim 14:15 die Seiten wechselte.
Auch im zweiten Durchgang konnte sich keins der beiden Teams absetzen, wobei auf Seiten der Gäste vor allem Jan Pröllochs als Torschütze in Erscheinung trat und am Ende auf insgesamt elf Treffer kam. Bei den Hausherren verteilte sich die Torgefahr auf mehrere Schultern, vier Spieler trafen fünf, bzw. sechs Mal. Der angesprochene Rückraumspieler Jan Pröllochs war es auch, der das 34:34 rund 30 Sekunden vor Abpfiff erzielte. In einer wilden Schlusssequenz fiel anschließend kein Treffer mehr, so dass sich die Teams die Punkte teilen.
SG Weinstadt vs. SG Heddesheim 30:23 (19:11)
Die Waschbären aus Weinstadt unterstreichen einmal mehr ihre Heimstärke. Nach dem Derby-Heimerfolg in der vergangenen Woche über Waiblingen gewinnt das Team von Trainer Jochen Klingler auch an diesem Wochenende vor eigenem Publikum. Beim 30:23 über die SG Heddesheim geriet Weinstadt nie in Rückstand und stellte die Weichen schon früh auf Heimsieg. Nach 14 Minuten legte Christoph Köngeter mit einem Doppelschlag bereits auf 11:4 vor, beim Pausenstand von 19:11 glaubten wohl nur noch die kühnsten Löwen-Fans an ein Comeback der Gäste.
Wirklich Hoffnung keimte im zweiten Durchgang nicht mehr auf, auch wenn beim 26:20 der Rückstand nur noch sechs Treffer betrug. Weinstadt zeigte sich nicht mehr nervös und brachte den Vorsprung souverän über die Ziellinie. Mit 5:5 Zählern liegt das Team aus dem Rems-Murr-Kreis auf dem neunten Rang, Heddesheim rutscht mit nun 3:7 Punkten auf den 14. Tabellenplatz.
HTV Meißenheim vs. TSV Schmiden 34:30 (17:12)
Das Duell der starken Aufsteiger geht in souveräner Manier an das Heimteam aus dem Ortenaukreis. Eine überzeugende Abwehrleistung und ein konsequenter Angriff mit einem überragenden Alexander Velz (elf Tore) sorgen für eine geglückte Revanche für die Spiele der vergangenen Saison. Auch Torhüter Mirco Zander konnte erneut glänzen und kam nach 60 Minuten auf 16 Paraden.
Spätestens beim 33:25 fünf Minuten vor Ende war die Messe gelesen und der Heimsieg eingetütet. In der Schlussphase konnten die Pumas noch einmal verkürzen und das Ergebnis erträglicher gestalten. Mit 8:2 Punkten nach fünf Spielen liegt der Aufsteiger aus Meißenheim auf einem starken zweiten Platz in der Regionalliga, Schmiden kann mit 5:5 Zählern und dem damit verbundenen sechsten Rang allerdings auch sehr zufrieden sein.
Für den HTV geht es in der kommenden Woche weiter mit dem Derby in Köndringen, Schmiden empfängt den TV Neuhausen.
SG Köndringen/Teningen vs. TSV Heiningen 22:35 (12:18)
Mit diesem Ergebnis hätten wohl die wenigsten Handballfans gerechnet! Die Staren aus Heiningen überrollen die SG Köndringen/Teningen in eigener Halle und bleiben mit dem Kantersieg weiter verlustpunktfrei. Nach der gleichzeitigen Niederlage des TVS Baden-Baden ist Heiningen nun das einzige Team ohne Niederlage in dieser noch jungen Spielzeit.
Rund 400 Zuschauer waren Zeuge, wie das Spiel ausgeglichen startete und sich bis zum 8:8 ein Spiel auf Augenhöhe entwickelte. Doch in der Folge kam ein Bruch ins Spiel der Hausherren und ein 4:10-Lauf bis zum Ende der ersten Hälfte brachte den TSV schon auf die Siegerstraße. Allen voran war die Flügelzange der Heininger, bestehend aus Moritz Fink auf der linken und Tony Abele auf der rechten Seite kaum zu stoppen und die beiden schnellen Spieler trafen sechs, bzw. sogar acht Mal.
Nach der Pause machten die Staren genau dort weiter, wo sie aufgehört hatten: Angeführt von einem überragenden Manuel Weinbuch im Heininger Tor wuchs der Vorsprung Tor um Tor. Die Nummer 16 erwischte einen Sahnetag und wurde zu einem der entscheidenden Faktoren für den Auswärtssieg. Gerade einmal 22 Gegentore ließ die Heininger Defensive in der fremden Halle zu. Aus dem 13:18 wurde innerhalb weniger Minuten ein 13:25 – und die Messe war gelesen.
Viel Zeit zum freuen bleibt nicht, denn nächste Woche wartet schon die nächste Aufgabe auf die Staren. Am Samstagabend empfängt der TSV Heiningen zuhause die SG Weinstadt, die mit 5:5 Punkten auf Platz neun in der Tabelle stehen.
VfL Waiblingen vs. TuS Steißlingen 28:33 (16:18)
Die Herren 1 des TuS Steißlingen setzen ihren Aufwärtstrend in der Regionalliga Baden-Württemberg fort! Am Samstagabend feierte die Mannschaft von der Hegau-Halbinsel beim VfL Waiblingen einen hochverdienten 33:28 (18:16)-Auswärtserfolg. Mit dem zweiten Sieg in Serie springt der TuS auf ein positives Punkteverhältnis von 6:4 Zählern und setzt sich im oberen Mittelfeld der Tabelle fest.
Die Steißlinger erwischten in der Rundsporthalle Waiblingen einen Start nach Maß. Nach den ersten ausgeglichenen Minuten übernahm der TuS schnell die Kontrolle und erarbeitete sich durch schnelles Umschaltspiel sowie konsequente Abschlüsse bis zur 9. Spielminute eine Vier-Tore-Führung zum 4:8. Einen Akteur bekamen die Waiblinger dabei von Beginn an überhaupt nicht zu fassen: Rückraumspieler Florian Riegler erwischte einen absoluten Sahnetag und drückte der Partie mit sagenhaften 14 Toren seinen Stempel auf.
Auch nach dem Seitenwechsel zeigte sich der TuS extrem gefestigt. Die Defensive stand stabil und zwang die Waiblinger Angreifer immer wieder zu schwierigen Würfen oder Fehlern. Zudem schwächten sich die Gastgeber in der 34. Spielminute durch eine Disqualifikation selbst. In der Folge behauptete der TuS kontinuierlich seinen Vorsprung.
Den Schlusspunkt unter eine rundum reife Leistung setzte der angesprochene Florian Riegler kurz vor Schluss zum 33:28-Endstand.
HSG Ostfildern vs. HG Oftersheim/Schwetzingen 28:39 (15:20)
Einen deutlichen Auswärtssieg durften auch die Männer der HG Oftersheim/Schwetzingen bejubeln. Die HG gewährte den Hausherren der HSG Ostfildern nur zweimal kurz den Vortritt (1:0, 2.1), dann übernahmen die Jungs von HG-Coach Christoph Lahme das Zepter.
Dabei gingen sieben von anfänglichen zehn HG-Treffern alleine auf das Konto von Yannick Muth in knapp über 13 Minuten. Beim 7:12 (17.) war dann das erste Timeout der Heimmannschaft fällig, doch bis zum Pausenstand von 15:20 konnten die Gäste weiter ihren Vorsprung halten.
Dominik Keim verkürzte nach dem Seitenwechsel zwar für Ostfildern auf 16:20, doch ein 1:8-Lauf inklusiver zweier weitestgehend wirkungslosen HSG-Auszeiten besorgte die Vorentscheidung. Die Kurpfälzer spielten sich zeitweise in einen Rausch dabei vielleicht auch ein wenig den Frust der 28:33-Niederlage gegen Neuenbürg aus der Vorwoche von der Seele. Nun 6:4 Punkte bedeuten den vierten Rang für den Drittligaabsteiger, die HSG Ostfildern muss hingegen die zweite Niederlage in Folge hinnehmen und rutscht auf Platz elf.
Foto: Widmann