DHB: wU16 zieht mit großer Mentalität ins WM-Finale ein
Die deutsche U16-Nationalmannschaft weiblich kann sich am Samstag in Agadir zum Weltmeister krönen. Bei der WM-Premiere in Marokko kommt es dann zur Neuauflage des Endspiels der European Open von Göteborg in diesem Sommer gegen Ungarn (Spielbeginn: 21.30 Uhr deutsche Zeit). Deutschland setzte sich in einem umkämpften Vorschlussrundenspiel gegen Russland mit 34:31 (16:16) durch, Ungarn hatte zuvor China mit 40:36 bezwungen. Zu sehen ist das Endspiel im Livestream auf dem Youtube-Kanal „IHF Competitions". „Russland war ein richtig harter Brocken. Die Mannschaft hat das, was wir im Training vorbereitet haben, sehr gut umgesetzt. Ich bin unglaublich stolz auf die Mädels, wie sie das schon in diesem jungen Alter geschafft haben", freute sich Bundestrainer Gino Smits.
In diesem Halbfinale endete wie erwartet die Zeit der großen Leistungsunterschiede. Während Russland in der Vorrunde von Ägypten und der Schweiz bereits intensiver gefordert wurde, ging’s für die DHB-Auswahl nach drei klar dominierten Gruppenspielen nun in die Vollen. Dem wuchtigen russischen Offensivspiel hatte die deutsche Hintermannschaft zunächst nicht viel entgegenzusetzen, und weil sich Jana Skill im Tor vielen freien Würfen gegenübersah, griff Smits nach zwölf Gegentoren in der ersten Viertelstunde zur Auszeit.
Aber auch seine Mannschaft trat vorn effektiv auf. Sie suchte und fand auch meistens mit Geduld die erfolgsversprechenden Abschlussmöglichkeiten. Azelya Alici mit starken Rückraumwürfen von Halblinks, Taya Nagel guten Eins-gegen-Eins-Aktion aus dem rechten Rückraum sowie Nora Lueg von Rechtsaußen waren in der ersten Halbzeit besonders auffällig. Eine Minute Smits‘ Ansprache im Kreis egalisierte Alici zum 12:12. Allmählich veränderte das Spiel seinen Charakter. Das Zielwasser der Schützinnen schien vorübergehend aufgebraucht zu sein. 12 Toren für beide Teams in den ersten 17 Minuten standen nur noch jeweils 4 in den 13 Minuten danach bis zur Pause gegenüber.
Beim 16:15 (25.) holte Nora Lueg erstmals seit dem 2:1 wieder für Führung zurück, aber insgesamt macht die Smits-Sieben zu wenig aus ihren Möglichkeiten. Denn nach dem 16:15 vergab man in den Minuten vor und nach der Pause sechs Möglichkeiten erneut vorzulegen. Ausgleichstore ja, aber Führung nein hieß es danach viel zu häufig. Das schien sich zu rächen. Mit einem 4:0-Lauf setzte sich Russland sich erstmals deutlicher ab (22:18). Es war die erste echte Bewährungsprobe für die DHB-Talente bei diesem Turnier, zumal beide Kreisläuferinnen ab jetzt mit zwei mit zwei Zeitstrafen vorbelastet waren. Mariella Koumtoudji Tchatat hatte es bereits in der ersten Halbzeit zweimal erwischt, nach Wiederbeginn schickten die Unparteiischen Emma Schneeberger innerhalb kurzer Zeit zweimal auf die Bank. Smits stellte danach auf vier Rückraumspielerinnen um. Er machte aus der Not eine Tugend, denn mit dieser Umstellung hatten die Russinnen zu kämpfen.
Zwei spektakuläre Paraden von Mercy Hacker, drei Siebenmetertore von Nora Lueg - die mit insgesamt zehn Toren nicht von ungefähr die Auszeichnung für die Spielerin des Spiels erhielt - und einmal Nika Lemke trugen zum 5:0-Zwischenspurt bei, der das Ergebnis kippte (23:22, 44.). „Wir haben jetzt eine stabile Deckung gestellt, die mit Merci Hacker gut zusammenarbeitet hat", so Smits. Für die beiden Kreisläuferinnen rückten nun die beiden Halblinken Janne Uthmann und Azelya Alici in den Innenblock. Sie hielten das Zentrum prima zusammen.
Lemke war nun auf Linksaußen die Spielerin für die wichtigen Tore – so zum Beispiel auch beim Tempogegenstoß zum 29:27 (52.). Der nächste Booster kam vom rechen Flügel. Lueg markierte das 31:28 – und das in Unterzahl (54.). Da kam Russland nicht mehr heran, und spätestens mit Nagels 34:31 eine halbe Minute vor Schluss, war der Final-Einzug besiegelt.
Deutschland: Hacker, Skill – Carlotta Werum (3/1), Hinz (1), Lueg (10/4), Kamen, Mangold, Sieber (2/1), Plöhn, Lemke (3), Glomb (1), Nagel (8), Koumtoudji Tchatat, Alici (4), Schneeberger (1), Uthmann (1).
Schiedsrichter: Loriane Lamour (Frankreich)/Magnus Muri Nygren (Norwegen)/Simon Hardegger (Schweiz).
Zeitstrafen: Deutschland 5 – Russland 3.
Siebenmeter: Deutschland 6/9 – Russland 2/3.
Quelle: DHB
Foto: 2026 Sasa Pahic Szabo / kolektiff